Studium schlecht für die Augen


Wer länger lernt, sieht schlechter
Studium schlecht für die Augen

Viele Lernjahre gehen mit häufigerer und stärkerer Kurzsichtigkeit einher. Zu dieser Schlussfolgerung kommt eine Studie der Universitätsmedizin Mainz. Mögliche Ursachen seien Lesen, der Blick auf den Computer und ein Mangel an Tageslicht, vermuten die Wissenschaftler. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rät Schülern und Studenten deshalb zu Lernpausen für die Augen und regelmäßigem Aufenthalt im Freien.

Industrienationen = Myopienationen?

Die Ursache für Kurzsichtigkeit (Myopie) liegt in einem zu langen Augapfel: Die einfallenden Lichtstrahlen bilden ihren Brennpunkt nicht auf der Netzhaut, sondern davor. Dadurch erscheinen ferne Gegenstände verschwommen. Aber nicht nur das Sehen wird für die Betroffenen zum Problem. Schon mäßige Kurzsichtigkeit von -1 bis -3 Dioptrien verdoppelt das Risiko für Folgeerkrankungen wie Netzhautablösung, Grünen oder Grauen Star.

Die Anzahl der Kurzsichtigen erhöhte sich im Lauf der letzten Jahrzehnte erheblich: In allen Industrienationen weltweit ist mindestens ein Drittel der Bevölkerung kurzsichtig, in manchen Großstädten Asiens sogar fast 90 Prozent. Die Gründe für diesen Anstieg sind nicht eindeutig geklärt. „Studien haben jedoch gezeigt, dass Umweltfaktoren wie Bildung, Beruf und Freizeitgestaltung eine entscheidende Rolle spielen“, erläutert Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG aus Frankfurt.

Naharbeit ruiniert die Augen

Die Mainzer Forscher untersuchten im Rahmen der Gutenberg-Gesundheitsstudie die Sehstärke von fast 4700 Menschen im Alter von 35 bis 74 Jahren. Mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventen war kurzsichtig, während bei den Probanden ohne höhere Schulbildung nur jeder Vierte von der Sehschwäche betroffen war. „Ursache dafür ist vermutlich die Naharbeit, die den Alltag von Studierenden bestimmt“, glaubt der Direktor der Mainzer Augenklinik und Initiator der Gutenberg-Studie, Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer. „Laut aktueller Studienlage, tragen stundenlanges Lesen, Fernsehen und Arbeiten am Computer zur Verschlechterung des Sehvermögens bei.“

Frischluft fürs Auge

Alle Versuche, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit mit Brillen oder Medikamenten zu heilen oder aufzuhalten, zeigen keinen Erfolg. Aus aktuellen Studien geht jedoch hervor, dass Schüler, die viel Zeit im Freien verbringen, seltener von Kurzsichtigkeit betroffen sind, als Stubenhocker. „Helles Tageslicht scheint sich regulierend auf das Wachstum der Augen auszuwirken“, meint Professor Christian Ohrloff. Auch die Autoren der Mainzer Studie empfehlen Frischluft zur Vorsorge: Schüler und Studierende sollten regelmäßige Lernpausen einlegen und diese möglichst im Freien verbringen.

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