Fäkalien heilen Darmerkrankungen


Spenderkot gegen Durchfallkeime
Fäkalien heilen Darmerkrankungen

Was unappetitlich klingt, könnte vielen chronisch Kranken helfen: Übertragung des Kots gesunder Menschen in den Darm von Kranken. Die so genannte Fäkaltherapie ist bei Darmerkrankungen der Standartbehandlung mit Antibiotika deutlich überlegen. Das haben Forscher der Universität Amsterdam herausgefunden.

Rosskur für Menschen

Der Ursprung der ungewöhnlichen Behandlung liegt in der Tiermedizin. Mit der Transfaunierung heilte der Tierarzt früher Pferde mit Darmkoliken. Sie bekamen eine Brühe aus den aufgelösten Pferdeäpfeln eines gesunden Tieres zu trinken. Das Grundprinzip dieser Methode eignet sich auch für Menschen mit chronischen Darmerkrankungen, wie eine Studie der Universität Amsterdam beweist. Danach ist die so genannte Fäkaltherapie bei Infektionen mit dem Durchfallkeim Clostridium difficile wirksamer als die Standartbehandlung mit Antibiotika.
Darmbakterium außer Kontrolle
Normalerweise ist Clostridium völlig harmlos. Ist die Darmflora jedoch gestört, beispielsweise durch eine Antibiotikabehandlung, breitet sich das Bakterium massiv im Darm aus, führt zu Entzündungen der Darmwand und produziert abführende Eiweiße. Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 4000 Menschen an einer Clostridien-Infektion. In der Regel wird die Infektion mit Antibiotika behandelt. Bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen bricht die Erkrankung nach dem Abheilen erneut aus. Dann müssen die Betroffenen erneut Antibiotika einnehmen. Eine Alternative zum Abtöten der Keime besteht darin, die gestörte Darmflora zu erneuern. Hier setzt die so genannte Fäkaltherapie an. Hierbei wird die Stuhlprobe eines gesunden Spenders aus der Verwandtschaft des Patienten mit Salzsäure verflüssigt und über eine Magensonde in den Zwölffingerdarm des Betroffenen geleitet. Gesunde Darmbakterien des Spenders frischen so die gestörte Darmflora des Kranken auf. Vor der Behandlung wird der Spender gründlich untersucht, um eine Übertragung von Parasiten, Bandwürmern oder anderen Krankheitserregern zu verhindern.
Erfolg der Fäkaltherapie nachgewiesen

Eine Studie der Universität Amsterdam beweist den Erfolg der Methode. Die Forscher teilten die Studienteilnehmer in drei Gruppen auf. Nach der Standartbehandlung mit Antibiotika erhielten die Teilnehmer entweder keine weitere Therapie, eine Darmspülung oder eine Darmspülung in Kombination mit der Fäkaltherapie.

Das Ergebnis: Bei 13 der 16 Fäkaltherapie-Patienten heilte die Infektion bereits nach der ersten Spende aus. Zwei weitere Teilnehmer wurden nach der Behandlung mit dem Kot eines anderen Spenders gesund. Im Gegensatz dazu war die Behandlung mit Antibiotika nur bei vier der 13 Patienten erfolgreich. Antibiotika in Kombination mit Darmspülung schlugen nur bei 3 von 13 Studienteilnehmern an. Nach einer Zwischenauswertung brachen die Forscher die Studie ab. Sie wollten allen Probanden die erfolgreiche Fäkaltherapie ermöglichen.

Insgesamt profitierten bisher schon 200 Menschen mit einer Clostridien-Infektion von der Behandlung. Die Erfolgsrate liegt bei mehr als 90 Prozent. Aktuell untersuchen die Experten, ob sich die Therapie auch für andere Erkrankungen mit gestörter Darmflora eignet, beispielsweise Colitis ulcerosa oder das Reizdarmsyndrom. Visionen für die Zukunft sehen Spenderbanken mit anonymen, gut untersuchten Proben für die Fäkaltherapie vor. Auch die Einnahme von speziell gezüchteten Darmbakterien in Form von Kapseln ist angedacht.

News

Gut geschützt gegen RSV
Gut geschützt gegen RSV

Per Impfung oder Antikörpergabe

Respiratorische Synzytial-Viren, kurz RSV, sind eigentlich harmlose Erkältungsviren. Bei Säuglingen drohen bei einer Infektion aber schwere Verläufe. Was schützt besser: die Impfung oder die Gabe von Antikörpern?   mehr

Sturzgefahr im Alter
Sturzgefahr im Alter

Strategien für mehr Sicherheit

Fast jede vierte Person über 65 stürzt mindestens einmal im Jahr – mit manchmal schweren Folgen. Doch vielen Stürzen lässt sich vorbeugen. Was hilft?   mehr

In Zukunft weniger Schwangerschaftsvorsorge?
In Zukunft weniger Schwangerschaftsvorsorge?

Neues Gesetz ändert Finanzierung

Ab 2027 sollen Leistungen in Frauenarztpraxen anders vergütet werden. Ärzt*innen warnen, dass dann weniger Termine für Schwangere zur Verfügung stehen könnten. Die Krankenkassen widersprechen. Was steckt dahinter?   mehr

Mit Zahnseide gegen Schlaganfall

Mann benutzt Zahnseide an den oberen Schneidezähnen.

Für Zähne und Gehirn

Um Schlaganfällen vorzubeugen, kann man so einiges tun. Aufs Rauchen verzichten, Übergewicht vermeiden, die Zähne richtig putzen – und dabei regelmäßig Zahnseide verwenden.   mehr

Aktivkohle: Wunderwaffe bei Vergiftungen?
Aktivkohle: Wunderwaffe bei Vergiftungen?

Wann der Einsatz sinnvoll ist

Aktivkohle gilt als Alleskönner bei Vergiftungen. Doch bei der Anwendung gibt es Einiges zu beachten.   mehr

Alle Neuigkeiten anzeigen
Linden-Apotheke
Inhaberin Margit Jacob
Telefon 036376/5 83 20
Fax 036376/5 83 28
E-Mail info@linden-apotheke-straussfurt.de