Suchtgefahr bei Schlafmitteln


Ambulanter Entzug zeigt Wirkung
Suchtgefahr bei Schlafmitteln

Mehr als eine Million Bundesbürger sind abhängig von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Der Ausstieg auf eigene Faust gelingt nur selten. Erhalten die Patienten jedoch die Hilfe ihres Apothekers und Hausarztes, meistern viele Betroffene den Entzug innerhalb weniger Wochen. Dies zeigt ein vom Bundesgesundheitsministerium gefördertes Modellprojekt.

Bewusstsein für Risiko schärfen

Verschiedene rezeptpflichtige Schlafmittel werden unter dem Fachbegriff „Benzodiazepine“ zusammengefasst. Diese sind bei bestimmungsgemäßer Anwendung wirksame und sichere Medikamente. Bei längerfristiger Anwendung kommt es zur Gewöhnung. Dadurch steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen wie Stürzen aufgrund der muskelerschlaffenden Wirkung sowie verminderte Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit.

„Vor allem Schlafmittel werden oft jahrelang eingenommen, ohne dass sich die Patienten der Risiken bewusst sind. Hier besteht Handlungsbedarf“, betont Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA). „Apotheker können in Kooperation mit Hausärzten den Patienten den Weg aus der Abhängigkeit ebnen und so die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern.“ Die wichtigste Aufgabe der Apotheker besteht dabei in der Beratung und Aufklärung der Betroffenen.

Apotheker und Hausärzte unterstützen Betroffene

Am Modellprojekt „Ambulanter Entzug Benzodiazepin-abhängiger Patienten in Zusammenarbeit von Apotheker und Hausarzt“ nahmen Apothekerinnen und Apotheker aus 46 Apotheken und 63 Hausärzte teil. Insgesamt wurden 102 Patienten von Apothekern in Abstimmung mit dem jeweiligen Hausarzt beraten. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 71 Jahren, Frauen waren in der Überzahl.

46 Prozent der Patienten konnte nach Ablauf des Modellprojekts ganz auf Schlafmittel verzichten. Weitere 28 Prozent konnten die Dosis verringern. Kiefer erläutert: „Das zeigt: Drei von vier teilnehmenden Patienten profitieren von der berufsgruppen-übergreifenden Intervention unmittelbar.“ Das Ergebnis war zudem nachhaltig: Die meisten Patienten berichteten, nach drei Monaten keinen Rückfall erlitten zu haben oder es war ihnen gelungen, die Dosis noch weiter zu reduzieren.

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