Essstörung: Kein Hunger in Sicht


Wie man Betroffenen hilft
Essstörung: Kein Hunger in Sicht

Menschen, die unter einer Essstörung leiden, haben meist ein tiefer gehendes seelisches Problem. Angehörige und Partner können sie unterstützen, indem sie gemeinsam mit ihnen nach professioneller Hilfe suchen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Psychatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin hin.

Essen bestimmt Denken und Handeln

Bei einer Essstörung funktioniert das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl nicht mehr. Die Nahrungsaufnahme richtet sich allein nach inneren Zwängen. Die häufigsten Formen der Essstörung sind Magersucht, Bulimie und Binge Eating. In Deutschland sind rund 100.000 Menschen, besonders Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, an Magersucht erkrankt. Von der Ess‐Brech‐Sucht – der so genannten Bulimie – sind bundesweit etwa 600.000 Menschen betroffen. Die meisten von ihnen sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. An Übergewicht leidet rund die Hälfte der Deutschen und fast jeder Siebte ist adipös.
Unkontrolliertes, übermäßiges Essen oder extremes Hungern sind für die Betroffenen häufig ein Ausweg oder Ersatz für verdrängte Gefühle und Bedürfnisse. „Charakteristisch für eine Essstörung ist, dass Essen oder Hungern das Leben der Betroffenen bestimmt“, erläutert Prof. Ulrich Voderholzer von der DGPPN. „Andere wichtige Dinge des Alltags treten in den Hintergrund. Der gesamte Tagesablauf, die Gefühle und Beziehungen zu anderen Menschen oder auch berufliche und private Entscheidungen werden durch das Essverhalten beeinflusst und diesem untergeordnet.“

Warnsignale erkennen

Je stärker eine Essstörung krankhafte Züge annimmt, umso mehr versuchen die Betroffenen, sie zu verheimlichen. So erzählen Magersüchtige häufig, was sie den Tag über alles gegessen hätten und deshalb jetzt keinen Hunger mehr haben. Bei einer Ess‐Brech‐Sucht wird die gerade eingenommene Mahlzeit heimlich wieder erbrochen, um ja nicht zuzunehmen. Und wer ein ständiges Essverlangen hat, nimmt immer wieder, über den ganzen Tag hinweg und häufig auch nachts, Süßigkeiten, Snacks oder ganze Mahlzeiten zu sich, ohne dass es andere bemerken. „Angehörige und Freunde sollten dem Betroffenen mitteilen, was sie an ihm konkret beobachten“, rät Voderholzer. „Verhaltensauffälligkeiten reichen von exzessiver Beschäftigung mit Nahrung über starke Gewichtszunahme oder ‐abnahme bis hin zu sozialem Rückzug. Wichtig ist, dem Betroffenen klar zu machen, dass man sich um ihn sorgt und ihm anzubieten, gemeinsam Hilfe zu suchen.“

Bei zunehmender sozialer Isolation und dem Auftreten körperlicher Folgen durch Mangel- oder Überernährung ist ärztliche Hilfe dringend nötig. „Es geht darum, wieder eine feste Mahlzeitenstruktur mit ausreichender Kalorienzufuhr einzurichten“, betont der Psychiater. „Weitere Schwerpunkte der Therapie sind die Arbeit am Selbstwertgefühl, an der veränderten Körperwahrnehmung und an Gefühlswahrnehmungen.“

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